[ Siehe der Mensch ist geworden wie unsereiner...




Paradies ist anders – Der Sündenfall (Videocollage)

Der im Paradies lebende Mensch hat -verbotenerweise- von den Früchten des Baums der Erkenntnis gegessen. Dieser, in der Bibel beschriebene Sündenfall, zieht auch einige Konsequenzen nach sich. Die mühselige Schwangerschaft, das schmerzvolle Gebären und die Herrschaft des Mannes -für die Frau, der mühselige Alltag, sich von verfluchtem Erdboden ernähren zu müssen und die zur Staub-werdung als Lebensende -für den Mann. Für Beide auch noch die unwiderrufliche Vertreibung aus dem Paradies. Ist es verwunderlich, daß der Mensch eine Sehnsucht danach hat, zum Paradies zurückuzukehren? Könnten wir den Sündenfall rückgängig machen? Wollen wir gar nicht mehr wissen, was gut und böse ist? Ist es nicht paradiesischer, die Verantwortung, zwischen gut und böse entscheiden zu müssen, nicht mehr tragen zu müssen? Denn so einfach ist das ja gar nicht immer, zu wissen was gut und böse ist. Ist es nicht einfacher, andere zu haben, die das Heil versprechen und diesen dann selbst nur folgen zu müssen. Die Sehnsucht nach dem Paradies ist verständlich, aber die Verantwortung abzugeben und einer heilsversprechenden Elite zu folgen, hat sich als diabolischer Irrweg erwiesen.

Dieter Fleischmann ist in Nürnberg aufgewachsen. Das ehemalige Reichsparteitaggelände mit der Baugrube des „Großen Stadions“, das Zeppelinfeld mit der großen Tribüne und der Luitpoldhain (Luitpoldarena) waren Orte seiner Kindheit: Ein großer Spielplatz im Luitpoldhain, der Weg zum städtischen Freibad (das Stadionbad als Teil des ehemaligen Geländes), der Silbersee (die genannte Baugrube) als familiäres Ausflugsziel am Wochenende, um auf Decken in der Sonne zu liegen, später das Gymnasium (NGN) in unmittelbarer Nähe des Luitpoldhain. Vieles ist in der Erinnerung präsent und verbindet sich mit dem Nachhall aus historischen Bildern und Filmaufnahmen zu einer seltsamen, manchmal heimeligen und faszinierenden, dann aber auch alarmierenden, erschreckenden Gefühlsmischung. Die Faszination des nicht-ganz-verstehen-könnens mündet in der Erkenntnis, diese Geschichte nie vergessen zu dürfen, sie nie ruhen zu lassen, sie immer wieder mahnend weiterzugeben. Denn der historische Verlauf und das Leid, das aus dieser Geschichte erwachsen ist, ist so gewaltig, daß sich solche gesellschaftlichen Entwicklungen nie wiederholen dürfen.

Die Videocollage zeigt Ausschnitte aus dem Riefenstahl-Film „Triumph des Willens“ (über den Reichsparteitag der NSDAP 1934 in Nürnberg). Explizit ausgewählt wurden Aufnahmen von Zuschauern und Komparsen. Auf Aufnahmen von militärischen Aufmärschen, von faschistischer Architektur, Symbolen und Hauptfiguren des NS-Regimes wurde verzichtet. Trotzdem bleibt die erhöhende, propagandistische Bildsprache präsent (Portraitaufnahmen von unten nach oben, dynamische Bildgestaltung mit Blicken nach Rechts/Links...). Herausgelöst aus der klaren, pompösen, propagandistischen Einbettung, können die heroischen Portraits der ernstblickenden jungen Männer und die glücklich jubelnden Zuschauer am Strassenrand auch dramatisch anders gelesen werden. Unsere Kenntniss von den dann noch folgenden furchtbaren Ereignissen, sollte unser ungläubiges Staunen in Schrecken verwandeln. In Schrecken darüber, daß all das möglich war.

Mit Menschen wie Du und ich.